Die Margarethenkirche in Ewersbach

Von der Weidelbache Höhe herab kommend, sieht der erstaunte Betrachter das Bauwerk der ev. Margarethenkirche Ewersbach. Die sorgfältig geostete Kirche liegt am Hang der Kirchhecke in 374 m über NN. Durch ihre markante Lage beherrscht sie das gesamte Dietzhölztal. Das aus dem 11. bis 12. Jahrhundert stammende Bauwerk zeigt in der uns überlieferten Form romanische und spätgotische Bauteile.

I. Das frühromanische Bauwerk

Zu dem ersten Bau gehören hauptsächlich die nördliche und südliche Schiffslängswand. In ihr befinden sich die typischen romanischen Fenster sowie ährenförmig gemauerte Bauabschnitte. Von besonderer Wichtigkeit sind die in den schrägen Leibungen befindlichen romanischen Malereien. Diese und noch vorhandene Holzteile des alten Fensterstockes lassen eine zeitliche Eingliederung vom frühen 9. Jahrhundert bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zu. Der Zugang zu dieser ersten Kirche erfolgte durch das heute vermauerte rundbogige Portal an der Südseite.

II. Das spätromanische Bauwerk

Ende des 12. Jahrhunderts erfährt die erste Kirche eine beachtliche Erweiterung. Der gößte Teil der Westmauer wird abgebrochen und ein mächtiger Westturm errichtet. Das Kirchenschiff erweitert man in gleicher Breite nach Osten. Das gesamte Kirchenschiff wird erhöht. Die frühromanische rechteckige Apsis bricht man ab. Es entsteht eine erhebliche Erweiterung durch einen Vorchor mit runder Apsis. An der südlichen Aussenwand wird ein gestuftes Portal eingebaut. Es ist heute noch sichtbar als Zugang zu dem heutigen Chorraum. Der gewaltige innere Triumphbogen entsteht. Das noch vorhandene Blattkapitell am südlichen Triumphbogenpfeiler gehört zu der Gruppe der rheinischen Blattstengelkapitelle. Die paarweise angeordneten Blätter neigen sich zueinander. Sie entspringen einem Wulst, der das Kapitell von der Säule scheidet. Der nach Osten liegende Vorchor wurde höchstwahrscheinlich, genau wie das erweiterte Kirchschiff, mit einer querspannenden Holzbalkendecke abgedeckt. Die Apsis hat vermutlich eine gewölbte Halbkuppel als oberen Abschluß.

III. Die Chorerweiterung

Eine weitere Veränderung erfährt der Chorraum im 13. Jahrhundert. Die Apside wird abgebrochen. Der Vorchor wird erweitert und erhält einen polygnalen 5/8-Abschluß. Ein gratiges Gewölbe ohne Rippen und Konsolen zeigt die schlichte bodenständige Art, Vieleckchöre zu bauen und mit gratigen Gewölben zu versehen. Bemerkenswert sind die noch erhaltenen Weihekreuze im Putz der Chorwände.

IV. Die wetfälische Hallenkirche

In der Zeit um 1500 beginnt eine neue entscheidende Bauepoche. Man beseitigt die Holzbalkendecke des Schiffes und ersetzt sie durch ein dreijochiges gleichhohes Kreuzgewölbe. Die einfach gekehlten Rippen wachsen aus vier Mittelsäulen, die den Kirchenraum in drei gleichhohe Schiffe einteilen. Das Schiff erhält durch die Einwölbung eine räumliche Geschlossenheit. Von der aus dieser Zeit wohl erheblichen Ausstattung der Kirche ist uns nur die Kanzel übergeben. Sie ist aus rotem Sandstein hergestellt. Der auf einer mit gewundenen Holzkehlen belegten Säule sitzende Kanzelkorb ist mit gotischem Maßwerk verziert. Die Steinkanzel in der Margarethenkirche zu Ewersbach ist ein wichtiges Beispiel spätgotischer Bildhauerkunst im nördlichen Nassau.

V. Die Emporen von 1617

Die religiöse Erneuerung des späten 16. Jahrhunderts erforderte nach Einführung der Reformation mehr Sitzplätze. So ist es nicht verwunderlich, daß in 1617 bis 1618 zweigeschoßige Emporen engebaut werden. Beide Emporgeschosse tragen auf ihren Schwellen Inschriften mit kirchlichen Texten und die Benennung des damaligen Pfarrers Johannes Heidfeld.

VI. Die Margarethenkirche 1987

Ein wesentlicher Teil der Wirkung, die die Ewersbacher Kirche heute dem Besucher vermittelt, ist auf die jüngste sorgfältige Instandsetzung der Jahre 1967 bis 1970 zurückzuführen. Durch sie tritt die ursprünglich beabsichtigte räumliche Geschlossenheit des Bauwerkes wieder in Erscheinung. Die Wegnahme der Orgelempore aus dem Chor brachte seinen Aufbau wieder in den Blickpunkt. Die Längsrichtung der Hallenkirche erfuhr eine wichtige Betonung durch das in die Westwand des Turmuntergeschosses neu eingebrochene Portal und den Mittelgang im Schiff. Der Weg zum Altarhaus und Chor, und damit das gottesdientliche Geschehen, treten stärker in den Vordergrund. Die Wegnahme der Brüstung der oberen Empore bis auf die Schwelle hat den Raumeindruck der spätgotischen Hallenkirche betont und hervorgehoben.

Eine wesentliche Unterstützung dieser Maßnahme bildet die Farbgebung, die im hellen Chor zurückhaltend nur die wichtigsten Formen der Gewölbe zeigt. So kann sich die Gliederung der spätgotischen Halle mit ihren rot gefassten Säulen und Rippen voll entfalten.

Ewersbach besitzt mit der Margarethenkirche ein Bauwerk, das für die Kunst der Landschaft von hoher Bedeutung ist und im Kern zu den ältesten Bauwerken im weiten Umkreis zählt.

Friedemann Franz

 

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