Zur Geschichte des Verschönerungsvereins von Ewersbach

Heute: Heimat-und Verkehrsverein Dietzhölztal

Wenn die Geschichte des Verschönerungsvereins von Ewersbach nicht lückenlos aufgezeigt werden kann, so möge der Leser bedenken, dass zwei Weltkriege mit ihren Folgen die Vereinstätigkeit erschwerten bzw. lahmlegten. Wertvolle Dokumente des Verschönerungsvereins wurden nach dem 2. Weltkrieg durch amerikanische Soldaten verbrannt.
Da dieser Bericht ausschließlich auf schriftliche Unterlagen basiert, die, wie oben erwähnt, z.T. vernichtet sind, kann das Gründungsjahr des Verschönerungsvereins nicht angegeben werden. Die ersten Eintragungen im erhalten gebliebenen Protokollbuch ist die Aufzeichnung einer Vorstandssitzung aus dem Jahre 1898. Das Beitragsbuch dagegen weist die ersten Beitragszahlungen für das Jahr 1897 nach. An dieser Stelle ist zu vermerken, dass das Protokollbuch bis zum Jahre 1914 (Ausbruch des 1. Weltkrieges) geführt ist und dann erst wieder die erste Eintragung aus dem Jahre 1955 enthält. Hier ist also eine Lücke von 41 Jahren. Wenn für diesen Zeitabschnitt trotzdem einige Aussagen gemacht werden können, so verdanken wir das den handschriftlichen Aufzeichnungen, die während Versammlungen und Sitzungen entstanden sind und z.T. als lose Blätter in einem Hefter abgelegt sind.
Das Gründungsjahr des Verschönerungsvereins dürfte somit das Jahr 1897 sein. Die Initiatoren zur Gründung des Vereins waren wahrscheinlich die Gewerbetreibenden: Kaufmann Birkelbach, Apotheker Kröck, Buchbinder Nickel sowie die Lehrer Körber und Jäger.

Viele Jahre sind die hier genannten im Vorstand des Verschönerungsvereins tätig gewesen.

Der neu gegründete Verein weist schon im Jahre 1897 67 Mitglieder nach und erhält den Namen ”Verschönerungsverein für das obere Dietzhölztal zu Straßebersbach“. Dem Namen nach ist der neue Verein offen nicht nur für Straßebersbacher Bürger, sondern für alle Bürger des geographischen Raumes ”Oberes Dietzhölztal“. So finden sich in der Tat Bürger vieler Ortschaften in einem Verein zusammen. In der Beitragsliste finden sich Namen von Mitgliedern aus Bergebersbach und Neuhütte (für Kenner dieses Raumes: erstaunlich die Zusammenarbeit der verschiedenen Ebersbacher im Jahre 1900 etwa), aus Rittershausen, Steinbrücken (darunter zwei Vorstandmitglieder), aus Eibelshausen, Weidelbach und Eiershausen. Ja selbst aus entfernteren und weit entfernten Orten fanden Bürger den Weg zum Verschönerungsverein: es sind Namen eingetragen aus Biedenkopf, Dillenburg, Kombach bei Siegen, Lahnhof, Rennerod, ja selbst aus Wiesbaden, Frankfurt, Gelsenkirchen und Berlin.
Letztere dürften wohl Freunde, Verwandte oder gute Bekannte in unserem Raum haben.

Auffallend ist, dass sich kein Mitglied aus der Nachbargemeinde Mandeln im Verschönerungsverein befand.
Verfolgt man die Mitgliederbewegung über den Zeitraum von 70 Jahren so fällt auf, dass der Verschönerungsverein stets über einen festen Mitgliederstamm verfügte. Die Mitgliederzahl schwankte zwischen 65 im Jahre 1925 und 135 im Jahre 1959. Zeitgeschehen und politische Verhältnisse dürften die Mitgliederstärke des Vereins stark beeinflusst haben.
Während und unmittelbar nach dem 1. Weltkrieg ruhte die Tätigkeit des Verschönerungsvereins, machte dann im Jahre 1925 wieder von sich reden. Während des 2. Weltkrieges löste sich der Verein auf. Die Wiedergründung erfolgte am 14. Juli 1949. 100 Mitglieder schon bei der Wiedergründung legen Zeugnis ab von dem echten, alle Bürger interessierenden Anliegen des Verschönerungsvereins.

Nach Vereinsgründung kletterte die Kurve der Vereinsaktivität sehr schnell auf ihren höchsten Punkt mit dem Bau des Aussichtsturms ”Wilhelmswarte“. Bei weiterer siebzigjähriger Tätigkeit wurde dieser Höchstpunkt der Aktivitäten nie mehr erreicht.

Nachdem der Beschluss zum Bau der Wilhelmswarte auf dem Sasenberg gefasst war, gab es zur Verwirklichung des Objektes keine Hindernisse mehr, auch keine fianziellen. Im Protokoll vom 23.11.1899 heißt es: ”Die Geldmittel zum Bau der Wilhelmswarte auf dem Sasenberg sollen lt. Beschluss der Hauptversammlung vom 25.03.1899 durch eine Anleihe des jetzigen Vorstandes aufgebracht werden“. D.h. die Vorstandmitglieder gaben selbst die Anleihe zu 4% Verzinsung. Einzelanleihe schwankte zwischen 50,-- RM und 300,-- RM. Eine ausserordentliche Spende von 100,-- RM tätigte der Großherzog von Luxemburg.
Mit diesem Geld und durch spürbare unentgeldliche Mithilfe vieler Mitglieder wurde der Bau in sehr kurzer Zeit fertig. Am 12. Mai des Jahres 1901 bereits erfolgte die Einweihung. Dieselbe fand im Rahmen einer anspruchsvollen Feier statt. Mit dem Namen ”Wilhelmswarte“ wollte man dem Mann ehren, der die Holländer von dem Joch der Spanier befreite; Wilhelm I von Oranien, ein Sohn unserer Heimat.

Die Wilhelmswarte ist seitdem das Lieblingskind, aber auch das Sorgenkind des Verschönerungsvereins. Schon wenige Jahre nach der Fertigstellung sollte die Wilhelmswarte verkauft werden; sie war Handelsobjekt zwischen dem Verschönerungsverein einerseits und dem Westerwaldclub (nicht die Entwicklung beim Bau gewisser Örtlichkeiten vorausahnend, ist in vielen Protokollen für Westerwaldclub die Abkürzung WC gebraucht). Nach langen Verhandlungen zeigte der Westerwaldclub plötzlich kein Interesse mehr. Darauf trat der Verschönerungsverein als korporatives Mitglied aus dem Westerwaldclub aus und liebäugelte fortan mit dem Sauerländischen Gebirgsverein.

In einer Vorstandssitzung vom 16.10.1908 heißt es: ”Der Verkauf der Wilhelmswarte an den Sauerländischen Gebirgsverein wird beschlossen. Derselbe hat von der 2.800,-- RM betragenden Bausumme noch 1.600,-- RM zu übernehmen. Falls der Sauerländische Gebirgsverein diesen Restbetrag in drei Jahresraten zahlt, soll auf Zahlung der Zinsen verzicht geleistet werden. Der Verschönerungsverein verpflichtet sich alsdann mit 40 Mitglieder a 1,50 RM dem Sauerländischen Gebirgsverein beizutreten. Zwecks Veräusserung der Wilhelmswarte wurde der Vorsitzende, Herr Kröck, beauftragt, Grund und Boden der Wilhelmswarte für den Verein käuflich zu erwerben“.

Der Sauerländische Gebirgsverein lehnte ebenfalls ab.

Die Bemühungen um eine Veräusserung der Wilhelmswarte gingen indes weiter. Ein vom 12.09.1933 datierten Schreibens des Verschönerungsvereins von Steinbrücken sagt aus, dass der Verschönerungsverein Steinbrücken das Pachtangebot des Verkehrs-und Verschönerungsvereins Straßebersbach ablehnt. Unverständlicherweise mit der Begründung: ”……….dass derselbe kein Interesse an der Wilhelmswarte hat, da der Turm weder eine Sicht nach dem Dorfe, noch nach der Gemarkung von Steinbrücken bietet. Den Pensionsinhabern erscheint die jährliche Gebühr von 6,-- RM zu hoch. Zu einem niedrigeren Satz von 2,-- RM sind dieselben bereit“.

Bleibt festzustellen, dass die Wilhelmswarte in allen Jahren die Vereinskasse stark strapaziert hat. Aber sie ist auch immer ein beliebtes Ausflugziel für Einheimische und Fremde gewesen. Dem trägt der Verkehrs-und Verschönerungsverein Steinbrücken nun Rechnung und plant den Ausbau der Wilhelmswarte.

Die Aktivitäten des Verschönerungsvereins zu Straßebersbach beschränkten sich selbstverständlich nicht auf die vielfältigen Beschäftigungen mit dem Türmchen, wie die Wilhelmswarte im Volksmunde genannt wird.

Die Aufstellung und Unterhaltung von Ruhebänken war seit eh und je ein besonderes Anliegen des Vereins. Zu der Zeit hat der Verschönerungsverein etwa 65 Bänke zu unterhalten.

Der Verschönerungsverein half mit beim Ausbau des Stauweihers am Ortsausgang in Richtung Rittershausen, im Hinblick auf die Förderung des Fremdenverkehrs. So stellte der Verein im Jahre 1931 300,-- RM zum Bau der Badekabinen bereit.

Ende der zwanziger Jahre nahm der Fremdenverkehr bereits Ausmaße an, die es erforderlich machten, für die Betreuung der Touristen und Urlauber planvoll vorzugehen. Freunde und Förderer des Fremdenverkehrs fanden sich zusammen, um einen Fremden-und Verkehrsverband zu gründen. Der Vorstand des Verschönerungsvereins war seinerseits weitsichtig genung, in der Förderung des Fremdenverkehrs ein zusätzliches Arbeitsfeld für den Verein zu erkennen.

Er nahm Verhandlungen mit den Gründern des Verkehrsvereins auf und erreichte eine Verschmelzung des Verschönerungsvereins mit dem in Gründung befindlichen Verkehrsvereins (1930).

Der neu entstandene Verein gab sich den Namen ”Verkehrs-und Verschönerungsverein zu Straßebersbach“. Zunehmend wurden jetzt Gelder zur Förderung des Fremdenverkehrs in Werbung und Reklame gesteckt. Weitere Maßnahmen, die vorwiegend dem Fremdenverkehr dienten, waren die vermehrte Aufstellung von Ruhebänken, Arbeiten zur Dorfverschönerung und der Ausbau sowie Markierung von Wanderwegen.

Der letzte Beleg aus den dreißiger Jahren stammt vom 29.05.1938; er ist eine Einladung zu einer Besprechung bei der Wilhelmswarte. Es geht wie schon so oft, um dieUnterhaltung des Türmchens. Mit Ausbruch des 2. Weltkrieges ruhte mit Sicherheit zunächst einmal die Vereinstätigkeit, bis wohl während des Krieges die Auflösung erfolgte. Nach der Neugründung 1949 trat der Verein bald darauf an die Öffentlichkeit. Im Jahre 1951 wurde die 50-Jahrfeier zur Einweihung der Wilhelmswarte veranstaltet.

Beachtliche Erfolge verzeichnete der Verkehrs-und Verschönerungsverein in den fünfziger Jahren auf dem Gebiet des Fremdenverkehrs. Die Gemeinde Ewersbach (nach dem angeordneten Zusammenschluß der benachbarten Gemeinden Straß-und Bergebersbach entstand die Gemeinde ”Ewersbach“) lag im Jahre 1958 mit ca. 8.000 Übernachtungen an 2. Stelle im Dillkreis, unmittelbar hinter Dillenburg.

Mit zunehmendem wirtschaftlichen Aufschwung in der BRD und nicht zuletzt mit spürbaren Strukturverbesserungen im Raume ”Oberes Dietzhölztal“ gehen die Übernachtungsziffern von Jahr und Jahr erheblich zurück.

Der Fremdenverkehr als nicht unbedeutender Wirtschaftzweig in vielen Dillkreisgemeinden spielt in Ewersbach so gut wie keine Rolle im Jahre 1970.

Dem Verkehrs-und Verschönerungsverein kann man den Vorwurf nicht ersparen, dass er zu dieser Entwicklung zum Teil die Weichen gestellt hat. Denn schon zweiJahre nach dem stolzen Ergebnis des Jahres 1958 wurde nach internen Auseinandersetzungen die Abteilung Fremdenverkehr aus dem Verein herausgelöst und ganz aufgelöst. Zurück blieb der Verschönerungsverein Ewersbach.

Die Zeichen standen fortan nicht gut für diesen Verein. Eine aktive Vereinstätigkeit kam nicht mehr auf, selbst nicht während der Dorfverschönerung, bei der die Gemeinde Ewersbach unter anderem einen ersten Platz verbuchen konnte. Der Vorstand, teilweise mit kommisarischen Vorsitzenden erledigte in Eigenarbeit das Notwendigste wie z.B. das Streichen der über 60 Bänke und die notdürftige Unterhaltung des Türmchens.

Darum beschloß der Vorstand des Verschönerungsvereines, im Jahre 1970 bei der Jahreshauptversammlung, die Auflösung des Vereins vorzuschlagen.

Die hier anwesenden 11 Mitglieder stimmten gegen die Auflösung des Vereins und faßten mit Mehrheit den Beschluß, den Verschönerungsverein mit dem Obst-und Gartenbauverein zu fusionieren.

Die Fusion lehnte wiederum der Vorstand des Obst-Gartenbauvereins ab. Daruafhin wurde eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen mit dem einzigen Tagesordnungspunkt: Auflösung des Verschönerungsvereins. Dies wurde nun beschlossen. Der Vorstand legte insgesamt sein Amt nieder und erklärte die Auflösung als vollzogen, wenn sich bis zum 01.07.1970 kein Mitglied für die Übernahme des Amtes als Vorsitzender finden würde.

In der Phase der Auflösung erschien der Heimat-und Verkehrsverein Steinbrücken, vertreten durch den Vorsitzenden, Herrn Tirjan, und erklärte sich bereit, den Verschönerungsverein Ewersbach dem Heimat-und Verkehrsverein Steinbrücken anzugliedern. Die Verhandlungen beider Vorstände verliefen positiv. Mit Wirkung vom 01.01.1970 sind alle Mitglieder des ehemaligen Verschönerungsverein von Ewersbach Mitglied des Heimat-und Verkehrsvereins Steinbrücken, sofern sie nicht vorher schriftlich ihren Austritt erklärt hatten.

Der Heimat-und Verkehrsverein sowie der Verschönerungsverein haben auf Vereinsebene eine Fusion vollzogen, die etwa drei Monate später erst die politische Gemeinde erreicht hat.
Der Zusammenschluß von Ewersbach und Steinbrücken war der Anfang zur Gemeinde Dietzhölztal.

Der Verein in seiner heutigen Form besteht jetzt seit fast 47 Jahren. Die Mitgliederzahl hat sich per September 2017 auf 139 erhöht.

Aufzeichnungen von Karl Heinz, D.-Steinbrücken
Am 10. März 1993 an Herrn Schüssler
Ergänzt im August 2017

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